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Der sechste Kondratieff

 

Die neue, lange Welle der Weltwirtschaft

 

© Nefiodow, Leo und Nefiodow, Simone, 2016

Auf den ersten Blick scheinen bahnbrechende Innovationen zu einer aussterbenden Spezies zu gehören. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten sind und dass ihr Ausbleiben die Ursache für das niedrige Wirtschaftswachstum in den Industrienationen ist. 

Auf den ersten Blick scheint diese Schlussfolgerung zu stimmen. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist das Wachstum in Europa rückläufig, Japan stagniert seit zwanzig Jahren und den USA ist es seit der Jahrhundertwende auch nicht gelungen, ein nachhaltiges und robustes Wirtschaftswachstum zu entwickeln.  

Bemerkenswert ist, dass an diesem Trend weder die enorme Verschuldung der Regierungen, die Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte noch das billige Geld der Notenbanken etwas ändern konnten. Entsprechend bescheiden sind die Wachstumsaussichten, die von den führenden ökonomischen Instituten für die nächsten Jahre vorausgesagt werden. 

Andererseits – in den USA und in einigen anderen Ländern wie Deutschland herrscht Vollbeschäftigung. Wie ist das zu erklären? Ist Wirtschaftswachstum keine Voraussetzung mehr für Vollbeschäftigung? Um einen so hohen Stand der Beschäftigung zu erreichen, brauchte man früher Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent, heute genügen dazu 1,2 bis 1,6 Prozent. Die Ökonomen stehen vor einem Rätsel.  

Im Folgenden wird der Versuch unternommen mit Hilfe der Theorie der langen Wellen eine wissenschaftliche Antwort auf diese scheinbaren Widersprüche zu geben. Zugleich soll aufgezeigt werden, dass bahnbrechende Innovationen auch heute existieren und das reale Wirtschaftsgeschehen bereits merklich beeinflussen – nur sie müssen heute ganz woanders gesucht werden als in der Vergangenheit.  

Um die vermeintlichen Widersprüche aufzulösen, müssen drei Fragen beantwortet werden: Was ist derzeit das größte Wachstumshindernis? Wo schlummern die größten Produktivitätsreserven? 

Die Antwort auf diese beiden Fragen offenbart dann auch, warum das niedrige Wachstum bisher nicht überwunden werden konnte und leitet über zur dritten Frage: Was genau ist die Ursache der Vollbe¬schäftigung und wie kann die hohe Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit, die noch in vielen Industrieländern besteht, beseitigt werden? 

I. Was ist das größte Wachstumshindernis?

Um das größte Wachstumshindernis zu identifizieren ist es notwendig, alle relevanten Störungen in den Blick zu nehmen, die die Gesellschaft daran hindern reales Wachstum hervorzubringen. Wir fassen alle diese Störungen mit dem Begriff entropischer Sektor zusammen.

 

Addiert man alle Kosten, Schäden und Verluste, die jedes Jahr als Folgen der sozialen Unordnung entstehen (Korruption, Betrug, Drogen, Gewalt, Terrorismus, Hacking, extreme Ungleichheit, verantwortungslose Spekulationen, Krieg, Cybererpressungen, Umweltzerstörung usw.), dann erhält man für 2014 einen Betrag von 18.000 Milliarden U.S. Dollars. Das war mehr als das Bruttoinlandsprodukt der USA.  

Die weltweite soziale Unordnung stellt derzeit das größte Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Warum? Weil Korruption und Vetternwirtschaft die Diffusion von Innovationen in den Markt verhindern, Diebstahl, Hacking und Spionage die Unternehmen zwingen, wertvolle Ressourcen in Sicherheit zu investieren, anstatt in Wachstum. Lügen, Intrigen und Feindschaften erhöhen die Transaktionskosten und verringern sowohl die betriebliche als auch gesellschaftliche Produktivität. Unverantwortliche Spekulationen an den Börsen verursachen Jahr für Jahr milliardenschwere Vermögensverluste. In den Ländern und Regionen, in denen Kriminalität und Terro-rismus weit verbreitet sind, wandern die privaten Unternehmen und das Kapital aus. Kurzum: Die soziale Unordnung stellt das größte Hindernis dar, weil es der Gesellschaft jene kreativen und produktiven Ressourcen entzieht, die zur Lösung der Probleme benötigt werden. 

Das bedeutet: Die derzeit größte Barriere für den Fortschritt ist kein technologisches Hindernis, keine Problem von Energiemangel, kein Problem von Steuern und Zinsen, und auch kein rein ökonomisches und finanzielles Problem. 
 

II. Wo schlummern die größten Produktivitäsreserven?

Mit der Identifizierung des entropischen Sektors ist gleichzeitig der Bereich benannt, wo die größten Produktivitätsreserven im sechsten Kondratieff schlummern. Mit 10-15 Prozent weniger Unordnung/Entropie würden man nicht nur die zahllosen sichtbaren und unsichtbaren Hindernisse für das Wachstum reduzieren, sondern auch mehrere Tausend Milliarden US-Dollar freisetzen, die Jahr für Jahr für reales Wachstum und Beschäftigung genutzt werden könnten. 

An dieser Stelle darf daran erinnert werden, dass in den Industrieländern Produktivitätsfortschritte die wichtigste Quelle des Wirtschaftswachstums sind. 

Da sowohl die Wachstumsbarrieren wie auch die Produktivitätsreserven beim Menschen liegen stehen wir vor einer ganz neuen Herausforderung. Normalerweise sind in erster Linie die Ökonomen für Fragen des Wirtschafswachstums oder die Beseitigung von Wachstumsbarrieren zuständig. Das trifft auf die gegenwärtige Situation nicht zu. Der entropische Sektor ist eine Barriere, die außerhalb der Reichweite der Ökonomen liegt. 
 
Wir stehen vor einem historischen Paradoxon: Für die Lösung der aktuellen ökonomischen Probleme braucht man mehr als ökonomischen Sachverstand. Will man die Unordnung in den Griff bekommen, kommt man nicht daran vorbei, vorrangig in den Menschen zu investieren. 

Die stärkere Ausrichtung auf den Menschen kann aber nur gelingen, wenn die Wirtschaftswissenschaftler zum Umdenken bereit sind. Um es anders zu formulieren: Ohne Investitionen in die Gesundung des Menschen kann der Abbau der Entropie und die Freisetzung von Produktivitätsreserven und Wirtschaftswachstum derzeit nicht gelingen. Es gibt keinen anderen Bereich, der wieder zu einem kräftigen realen Aufschwung und Vollbeschäftigung führen kann. 

Und das führt uns zum dritten Teil: Die Identifizierung der bahnbrechenden Innovationen. 

III. Die Ursachen der Vollbeschäftigung und ihre wissenschaftliche Fundierung

Nach der Theorie der langen Wellen sind bahnbrechende Innovationen – die so genannten Basisinnovationen – die Auslöser und Träger von langen Phasen der Prosperität. Diese Phasen dauern 40-60 Jahren und werden in der Fachliteratur Kondratieffzyklen genannt. Eine der besonderen Stärken dieser Theorie besteht darin, dass sie uns ermöglicht, bahnbrechende Innovationen zu identifizieren und von anderen Innovationen abzugrenzen. Den Basisinnovationen kommt dabei die Aufgabe zu, Wachstumsbarriere zu überwinden und die schlummernden Produktivitätsreserven freizusetzen. 

Mit dem Jahrhundertwechsel ist die Weltwirtschaft in einen neuen, langen Zyklus eingetreten – in den sechsten Kondratieffzyklus (Abb. 1). Sein Antriebsmotor ist die Gesundheitswirtschaft, ihre Basisinnovationen sind die Biotechnologie und die psychosoziale Gesundheit. 

Die Leitfunktion des Gesundheitswesens

Im Gesundheitswesen wurden in den letzten beiden Jahrhunderten große Fortschritte erzielt. Viele Krankheiten, die früher als unheilbar galten oder tödlich verliefen, können inzwischen wirksam behandelt werden. Zahllose Medikamente stehen zur Verfügung, um Beschwerden und Krankheiten zu mildern oder zu heilen. Akutmedizin und Chirurgie bieten heute auch in Extremfällen lebensrettende Hilfen an, die früher kaum jemand für möglich gehalten hätte. Die Lebenserwartung hat sich durch medizinische Fortschritte stetig verlängert und die Kindersterblichkeit verringert. Die Geschichte der Medizin der letzten beiden Jahrhunderte war eine echte Erfolgsstory.

Aber diese Erfolgsstory droht zu Ende zu gehen. Seit dem späten 20. Jahrhundert reichen die erzielten medizinischen Fortschritte nicht mehr aus, um die Dynamik und die Komplexität des modernen Lebens mit ihren hohen Anforderungen an die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte des Menschen angemessen zu bewältigen. Als Konsequenz werden immer mehr Diagnosen, immer mehr Medikamente und Medizintechnik, immer mehr geschultes medizinisches Personal und immer mehr Geld benötigt. 

Das Gesundheitswesen wird normalerweise als eine Art „Reparaturwerkstatt“ für  körperliche Probleme gesehen, vielleicht noch als wirtschaftliches Schwergewicht. Wir schlagen einen Perspektivwechsel vor: Das Gesundheitswesen als die neue Leitindustrie der Zukunft zu betrachten. So wie die informationstechnische  Industrie eine Leitfunktion für die gesamte Wirtschaft im letzten, im fünften Kondratieff besaß, so übernimmt nun die Gesundheitsindustrie eine Leitfunktion im 21. Jahrhundert. 

Dass dem Gesundheitswesen eine Leitfunktion zukommt, das kündigt sich heute schon über sein wirtschaftliches Gewicht an. 

Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den größten Branchen der Welt. In 2014 flossen weltweit 12.000 Milliarden US-Dollar in diesen Sektor. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt waren entsprechend. Mit mehr als 22 Millionen Beschäftigten in 2014 war die Gesundheitswirtschaft einer der größten Arbeitgeber in den USA und in anderen Ländern. Zwischen 2004 und 2014 sind 53,8 Prozent aller neuen Arbeitsplätze in den USA im Gesundheitswesen entstanden. 
 

 

Abb. 1: Die langen Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung

Quelle: Leo Nefiodow: Der sechste Kondratieff, 2001.

Die Gesundheitsausgaben werden auch in Zukunft den größten Beitrag zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung leisten. In ihrer Prognose vom 8. Dezember 2015 für die Periode 2014-2024 kommt das US-Bureau of Labor Statistics zu dem Ergebnis, dass die Gesundheitswirtschaft im Jahr 2024 der größte Arbeitgeber der USA sein wird. ”Healthcare occupations and industries are expected to have the fastest employment growth and to add the most jobs between 2014 and 2024.“ 

Quelle:  http://www.bls.gov/news.release/archives/ecopro_12082015.pdf 

Mit dem Begriff Gesundheit wird normalerweise das herkömmliche, von der akademischen Schulmedizin geprägte Gesundheitswesen gemeint (Abb. 2). Aber außerhalb des traditionellen Gesundheitswesens ist inzwischen ein zweiter Gesundheitssektor entstanden, der von einer hohen Innovationsdynamik geprägt ist und das herkömmliche Gesundheitswesen teilweise gut ergänzt, teilweise ersetzen kann und teilweise als unseriös bis gefährlich eingestuft werden muss. Gemeinsam werden beide Sektoren den sechsten Kondratieff tragen. 

Ein Schwerpunkt des neu aufkommenden Gesundheitssektors ist die Basisinnovation Biotechnologie. Sie erschließt ein ganz neues Potential für Gesundheitstherapien, Medizintechnik, Diagnosen, Medikamente, Landwirtschaft, Ernährung, Umweltschutz, neue Materialien und biologische Informationsverarbeitung. Wachstumsgrenzen dieser Technologie sind derzeit nicht erkennbar. 

Die zweite Basisinnovation des sechsten Kondratieffs ist die psychosoziale Gesundheit. Es ist das erste Mal, dass ein Bereich der Psychologie zum Hauptträger des Wachstums auftritt. Ihre Leitfunktion resultiert aus dem großen Problemlösungspotenzial, das sie besitzt. Die Eskalation der globalen Probleme verlangt heute nach einer Antwort, die nicht auf die Bereiche Handel, Energie, Klima, Umweltschutz, Frieden beschränkt ist, sondern auch das individuelle menschliche Verhalten einbezieht, die spezifisch psychologischen, sozialen und seelischen Aspekte. Denn wie bereits oben im Text dargelegt, ist der psychosozial kranke Mensch das größte Risiko der Menschheit.
 

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Das herkömmliche Gesundheitswesen

 

• Medizintechnik

• Pharmaindustrie

• Krankendienste

(Ärzte, Heilpraktiker, Krankenhäuser, Krankenkassen, Krankenversicherungen, Apotheker, öffentliche Gesundheitsdienste, Pflegeeinrichtungen)

• Kurbetriebe/Sanatorien

• Betriebsinterne Gesundheitsdienste

Gesundheit als Wettbewerbsfaktor, Aus- und Weiterbildung (z.B. in sozialer Kompetenz), Personalentwicklung, Gesundheitsmanagement

• Sonstiges (gesundheitsorientiert)

Handwerker (z.B. orthopädische Produkte), Sportartikel und -anlagen, Fitnessstudios, Gesundheitsbücher und -Software usw.

 

Der neu aufkommende Gesundheitssektor

 

• Biotechnologie

• Naturheilverfahren, Naturwaren, Naturkost

• Komplementäre/alternative Medizin

Homöopathie, klassische Akupunktur, Elektroakupunktur nach Dr. Voll, Kinesiologie, Bioresonanz, Anthroposophische Medizin, Magnetfeldtherapien, Zellular Medizin nach Dr. Rath, Biofeedback, Quantenheilung, Traditionelle Chinesische Medizin, Ayurveda, Reiki, Geistheilung usw.

• Umweltschutz (überwiegend)

• Landwirtschaft und Ernährung

• Wellness/Fitness, Gesundheits-Tourismus

• Sinne (Farbe, Geruch, Musik), Architektur (innen, außen), Baustoffe, Materialien, Textilien, Bekleidung

• Eigenmedikation und Eigenbehandlung

Beteiligung der Krankheitsverursacher, zunehmende Eigenbehandlung

• Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebskrankenkassen, Betriebssport, Kantine, Sozialstation, Gesundheitsseminare, Gesundheitsvorsorge, Gesundheitsprämien

• Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik

• Religion/Spiritualität

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Abb. 2: Wertschöpfungskette  ganzheitliche Gesundheit

Quelle: Leo Nefiodow: Der sechste Kondratieff, 2014

 

 

Des Rätsels Lösung

 

Wie lässt sich nun der eingangs erwähne Widerspruch zwischen Vollbeschäftigung und niedrigem Wirtschaftswachstum erklären?

 

Um die Jahrhundertwende hat ein neuer Kondratieffzyklus begonnen, der sechste Kondratieff. Dieser Zyklus wird vom Bedarf nach Gesundheit getragen. Die Menschen sind nun bereit, Geld für Gesundheit auszugeben und die Unternehmen sind bereit, in Gesundheit zu investieren. Und die Gesellschaft braucht das Gesundheitswesen wie nie zuvor, um die soziale Unordnung in den Griff zu bekommen. Das führt zur Entstehung vieler neuen Arbeitsplätze vor allem im traditionellen Gesundheitswesen.

 

Aber diese Arbeitsplätze waren und sind bisher nicht produktiv genug, um starkes Wirtschafts­wachstum auszulösen. Der wichtigste Verursacher der Gesundheitsaus­gaben ist der medizini­sche Fortschritt. Das Problem ist, dass die Einsparungen, die er bringt, niedriger sind als seine Kosten. Deshalb ist die Produktivität so niedrig[1].

 

Da man den medizinischen Fortschritt aber unbedingt haben möchte, steigen die Ausgaben stetig an und wegen der niedrigen Produktivität dieser Ausgaben kann kein kräftiges Wachstum entstehen. Um stärkeres Wachstum zu ermöglichen, muss die Produktivität im Gesundheitswesen deutlich verbessert werden. Das ist das Ziel des sechsten Kondratieffs. Vor allen die beiden Basisinnovationen Biotechnologie und psychosoziale Gesundheit besitzen das Potential, um die erforderlichen Produktivitäts­- und Wachstumsimpulse auszulösen.   

 

Da die Unordnung in der Welt – wie oben dargestellt – nicht von gesunden Menschen stammt, sondern von Kranken, kommt dem Gesundheitswesen heute eine Bedeutung zu, die es vorher nicht hatte: Durch die Zuständigkeit für die Behandlung und Heilung von kranken Menschen ist es derzeit die beste Plattform, um die Ursachen der Unordnung in der Welt in den Griff zu bekommen. 

 

Das wird deutlich, wenn man beachtet, dass der entropische Sektor nicht von gesunden Menschen verursacht wird. Ein psychisch gesunder Mensch lehnt jede Form von Menschenhandel und Terrorismus ab. Ein geistig gesunder Mensch nimmt keine Drogen und geht verant­wortungsvoll mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen um. Ein seelisch gesunder Mensch ist nicht korrupt, ist wahrhaftig, fälscht keine Bilanzen. Ein sozial gesunder Mensch ist kooperativ, bricht nicht in fremde Wohnungen ein und tritt für das Wohlergehen aller Menschen ein. Ein spirituell gesunder Mensch hat eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott, tritt für Frieden und Versöhnung ein und verbreitet weder Hass noch Gewalt.

 

Aber dazu muss das Gesundheitswesen die weitgehende und unnötige Selbstbe­schrän­kung auf körperliche Störungen und Krankheiten aufgeben und sich auf die Behandlung des ganzen Menschen ausrichten (Abb. 3).

 

Schlussbemerkung

 

Der sechste Kondratieff befindet sich 2016 erst in seiner zweiten Dekade und ist deshalb noch nicht in der Lage, die Weltwirtschaft in einen stabilen und robusten Wachstumskurs und die Gesellschaft zu größerer sozialen Ordnung zu führen.

 

Damit das gelingt, müssten die Ausgaben im Ge­sund­heitswesen konsequenter als bisher als Investi­tionen behandelt werden. Außerhalb des Gesund­heits­wesens gibt es derzeit keinen anderen Kandidaten, über den die Indu­strie­nationen Vollbe­schäftigung, reales und nach­hal­tiges Wachstum sowie eine zukunftsweisende soziale Ordnung erreichen können. Die gegen­wärtigen Wach­stums­barrieren können über­wun­den werden, wenn die Förderung von Ge­sundheit auf den ganzen Men­schen und seine natürliche Umgebung aus­gerichtet wird. Die Länder, Regio­nen, Organisa­tionen und Personen, welche den sechsten Kondratieff konse­­quent er­schließen, werden im 21. Jahrhundert zu den Gewinnern gehören.

 

[1]     Schneider, Markus; Karmann, Alexander; Braeseke, Grit: Produktivität in der Gesundheits­wirtschaft. Gutachten für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Wiesbaden, 2014.

 

 

 

Abb. 3: Die fünf Ebenen der Gesundheit

Quelle: Leo Nefiodow: Der sechste Kondratieff, 1996.